Thrombose nach Langstreckenflug

Thrombose nach Langstreckenflug – Erfahrungsbericht

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Wie in meinen Packlisten beschrieben, habe ich bisher noch nie Thrombosestrümpfe während eines Langstreckenfluges getragen, geschweige denn jemals eine Thrombosespritze genommen. Generell habe ich mich nicht großartig mit dem Thema Thrombose befasst. Ein fataler Fehler, wie sich nach unserem Rückflug von Bangkok herausstellte.

Daher möchte ich euch mit diesem Post eindringlich davor warnen, euch von meinen Erfahrungen berichten und euch weitere Informationen und Tipps zur Vermeidung von Thrombose geben.

Thrombose nach Langstreckenflug – Schmerzen in der Wade

Wir sind im Dezember 2017 von Bangkok nach Frankfurt geflogen. Soweit nichts Außergewöhnliches für mich. Ich bin schon oft 10-12 Stunden geflogen und hatte bisher nie einen Thrombosestrumpf verwendet oder mir einen Thrombosespritze gesetzt. Warum auch? Ich bin ja noch recht jung und bewege mich viel. Auch während eines Fluges achte ich darauf, mich ausreichend zu bewegen da ich sowieso nie schlafen kann.

Doch diesmal sollte es anders kommen. Es war der erste Flug, auf dem ich tatsächlich für einige Stunden schlafen konnte und ausnahmsweise nicht jede Stunde zur Toilette musste weil ich nicht viel getrunken habe. Dies war bisher der angenehmste Flug, den ich je hatte.

Direkt am nächsten Tag nach unserer Ankunft in Deutschland hatte ich leichte Schmerzen in der linken Wade, die sich anfühlten wie Muskelkater. Da ich ein bisschen verrückt bin und oft an das Schlimmste denke, kam mir direkt Thrombose in den Sinn. So ein Quatsch – wieso sollte ich denn jetzt Thrombose haben? Bisher habe ich doch jeden Flug gut überstanden! Die Schmerzen werden bestimmt morgen weg sein! – Leider nein. Auch am nächsten Tag waren die Schmerzen immer noch da.

Da ich in einem großen Konzern arbeite, haben wir Werkärzte, die ich direkt an diesem Morgen aufgesucht habe um mir bestätigen zu lassen, dass es sich bei meinen Schmerzen um etwas harmloses und eben nicht um Thrombose handelt. Nach der Untersuchung sagte mir die Ärztin, dass sie annimmt, dass es sich eher um eine Muskelverhärtung handele, ich dennoch ins Krankenhaus gehen sollte um eine Thrombose auszuschließen.

Na super. Mein erster Arbeitstag nach dem Urlaub und ich konnte meinem Chef direkt mitteilen, dass ich nun für einige Stunden im Krankenhaus sein werde. Aber Gesundheit geht nunmal vor. Also bin ich brav ins Krankenhaus, wo mich der behandelnde Arzt schon ziemlich entnervt behandelte. Er war direkt der Meinung, dass unsere Werkärzte immer sehr hysterisch seien und bei jedem kleinen Schmerz eine Thrombose vermuteten. Er machte einen Ultraschall und schloss eine Thrombose aus. Puuuuh! Ich war heilfroh und bestätigt, dass ich nur eine harmlose Muskelverhärtung habe.

Eine Woche später hatte ich allerdings so starke Schmerzen, dass ich nicht mehr laufen konnte. Aus dem kleinen Muskelkater wurden sehr starke Schmerzen im gesamten Unterschenkel. Als hätte ich sehr starken Muskelkater und jemand würde dauerhaft in meine Wade drücken, sodass sich der Schmerz auf den ganzen Unterschenkel ausbreitet.

Also beschloss ich, meinen Hausarzt aufzusuchen. Ich gab ihm den Bericht aus dem Krankenhaus und schilderte ihm meine Schmerzen. Aufgrund des Abschlusses der Thrombose untersuchte er mein Bein und diagnostizierte einen Muskelfaserriss. Ich bekam einen Verband, Schmerztabletten und Salbe.

Von da an schonte ich mein Bein – ich konnte ja sowieso nicht mehr laufen. So lange ich die Schmerztabletten nahm, war alles soweit in Ordnung, die Schmerzen ließen nach, ich konnte allerdings immer noch nicht laufen. Nach Absetzen der Schmerztabletten hatte ich allerdings wieder sehr starke Schmerzen, die sich diesmal auf das gesamte linke Bein ausweiteten. Hinzu kamen Schmerzen im Knie, da ich in den letzten 2 Wochen nicht ordentlich lief, sondern immer eine Schonhaltung einnahm, sowie Schmerzen in der Kniekehle.

Also ging ich eine Woche später wieder zu meinem Hausarzt und schilderte ihm die Schmerzen. Ratlos untersuchte er ein weiteres Mal mein Bein und beschloss, dass er nun selbst einen Ultraschall machen müsse. Während des Ultraschalls waren wir beide dann sehr geschockt – es befand sich in der Tat ein Thrombus in meiner Kniekehle. Ich musste sehr mit mir kämpfen, da mir bei dem Gedanken, dass ich nun schon seit 3 Wochen mit einer Thrombose herumgelaufen bin, die eigentlich direkt nach 2 Tagen hätte erkannt werden können, einfach die Tränen kamen. Auch mein Hausarzt war ziemlich schockiert und ärgerte sich, dass er sich auf die Untersuchung des Krankenhauses verlassen hatte. Ich wurde dann noch einmal in ein anderes Krankenhaus geschickt um ganz sicher zu gehen – ja, es war in der Tat Thrombose!

Mein absoluter Horror wurde nun doch wahr – es hatte sich ein Blutgerinnsel in meiner Kniekehle gebildet, welches nun meine Vene verstopfte.

Thrombose nach Langstreckenflug – Behandlung

Ich bekam noch vor Ort eine Thrombosespritze und einen Verband. Um die weitere Blutgerinnung an der besagten Stelle zu vermeiden, bekam ich Tabletten (Xarelto), die dazu führen, dass das Blut verdünnt wird. Allerdings wird man dadurch gleichzeitig zum Bluter, was bedeutet, dass das Blut nun entweder gar nicht mehr oder nur sehr langsam gerinnt. Nun ist also Vorsicht angesagt beim Sport oder in der Küche etc.

In den ersten drei Wochen werde ich nun Xarelto 15mg morgens und abends einnehmen und danach soll ich dann Xarelto 20mg bekommen, welches nur morgens eingenommen wird.

Außerdem wurde mir ein Thrombosestrumpf angefertigt, den ich von nun an mindestens 3 Monate lang tragen muss. Ich muss sagen, dass die Strümpfe mittlerweile sehr stylish sind 😉 – man kann sich die Farbe aussuchen und sogar das Strumpfband – so sind meine nun nicht mehr von normalen Strümpfen zu unterscheiden.

Doch nicht nur dies hat sich durch die Diagnose Thrombose geändert – ich musste sofort meine Pille absetzen.

Thrombose nach Langstreckenflug – Risikofaktor Pille

Hier nun meine ehrliche Bitte an euch alle – macht euch ernsthaft vertraut mit den Risiken eurer Pille! Ich habe bereits vor 1-2 Jahren von dem erhöhten Thromboserisiko durch verschiedene Pillen gehört. Zu jeder Zeit habe ich auch nach meiner Pille gegoogelt und versucht herauszufinden, wie risikoreich die Einnahme meiner Pille ist. Da ich es ehrlich gesagt nicht allzu ernst genommen habe – denn ich nehme sie ja nun schon seit 15 Jahren und bisher habe ich nie Probleme damit gehabt – habe ich mich auch nicht weiter damit beschäftigt, als ich meine Pille nicht auf der Liste der gefährlichen Präparate gefunden habe.

Dies war, wie mir nun bewusst wurde, ein riesiger Fehler!!!

Nachdem nun Thrombose auch im Krankenhaus bestätigt wurde, hatte mir mein Hausarzt geraten, mit meiner Frauenärztin zu sprechen bzgl. des Absetzen der Pille. Nachdem ich ihm sagte, dass ich Laguna 20 nehme, schaute er in seinen PC und sagte mir, dass diese Pille z.B. in Frankreich verboten ist, da sie ein hohes Thromboserisiko birgt. Wie bitte?? Warum hatte mir das vorher niemand gesagt? Ich war geschockt. Aber gut, wenn ich eines gelernt hatte, dann, dass man sich auf Ärzte nicht verlassen sollte und lieber selbst sehr genau recherchieren sollte.

Daraufhin bin ich direkt zu meiner Frauenärztin gegangen. Ich befand mich gerade sowieso in der Pause und hätte eigentlich am nächsten Tag mit der neuen Packung beginnen müssen. Auch meine Frauenärztin riet mir, die Pille direkt abzusetzen.

Wow. Ich hatte zwar schon öfter mal darüber nachgedacht, die Pille nach so langer Zeit der Einnahme abzusetzen, aber dass dies so plötzlich geschieht und ich eigentlich keine andere Wahl habe, das war dann doch sehr schockierend. Vielleicht war es auch einfach der ganze Tag, wenn man erkennt, dass man 3 Wochen mit einer nicht erkannten Thrombose und starken Schmerzen gelebt hat, nun Blutverdünner nehmen muss und die Pille absetzen muss – das war alles sehr viel für mich.

Daher setzte euch bitte direkt, ja, JETZT! mit den Risiken eurer Pille auseinander und schaut, welche anderen Verhütungsmittel vielleicht viel besser wären. Vor allem im ersten Jahr der Einnahme kann das Thromboserisiko um ein zehnfaches erhöht sein als bei Nicht-Einnahme.

Ich muss nun noch testen lassen, ob ich generell an einer Gerinnungsstörung leide. Daraus ergibt sich dann, ob überhaupt Verhütungsmittel mit Hormonen für mich in Frage kommen oder ich auf eines der wenigen Mittel ohne Hormonen umsteigen muss.

Thrombose nach Langstreckenflug – Vorbeugende Maßnahmen

Um einer Thrombose vorzubeugen, habt ihr verschiedene Möglichkeiten, die auch ich ab nun nutzen werde:

  • Viel Bewegung – vor allem Ausdauersport hilft, die Durchblutung zu fördern und beugt somit Thrombose vor. Auch während eines Langstreckenfluges sollte man darauf achten, dass man sich regelmäßig bewegt und zwischendurch ein paar Schritte läuft. Hier findet ihr einige Übungen, die man auch im Sitzen machen kann.
  • Da viel Bewegung auf Flügen oder langen Bus- oder Bahnfahrten oft natürlich nicht möglich ist, solltet ihr außerdem Thrombosestrümpfe tragen, sowie vor der Reise an eine Thrombosespritze denken. Vor allem Frauen sollten dies berücksichtigen (und am besten direkt einmal mit dem Frauenarzt/ der Frauenärztin über die Risiken eurer Pille sprechen).
  • Viel trinken – eine ausgewogene Ernährung und viel Flüssigkeit helfen ebenfalls, Thrombose vorzubeugen. Besonders im Flugzeug ist es wichtig, dass ihr auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtet. Häufig vergisst man dies leicht oder versucht genau das Gegenteil. Ich habe selbst oft weniger getrunken, damit ich nicht so häufig zur Toilette muss und meinen Sitznachbarn nicht häufiger belästigen muss als dringend notwendig. Doch das ist absolut falsch und schadet nur euch und eurem Körper!
  • Die richtige Körperhaltung – am besten vermeidet ihr Körperhaltungen, die die Oberschenkel sehr belasten oder die Venen einschnüren. Ich sitze zum Beispiel gerne mit angewinkelten Knien oder überschlagenen Beinen, was die Durchblutung der Beine einschränken kann und somit ein höheres Risiko für eine Thrombose darstellt. Daher ist es sinnvoll, all solche Körperhaltungen, die eure Durchblutung beeinflussen könnten, zu vermeiden.

Mehr Informationen findet ihr hier, hier und hier.

Haftungsausschluss und allgemeiner Hinweis zu medizinischen Themen:

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie basieren ausschließlich auf meinen eigenen Erfahrungen. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens! Wir übernehmen keine Haftung für Unannehmlichkeiten oder Schäden, die sich aus der Anwendung der hier dargestellten Information ergeben.

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